Die Menschen

Unsere Teilnehmer sind zuerst aus dem Netzwerk der Straßenzeitungsverkäufer ausgewählt, und zwar Menschen, die körperlich oder psychisch stark herausgefordert sind. Nach ersten Workshops und weiteren Qualifizierungen können unsere Mitarbeiter nun die qualitativ hochwertigen Produkte aus Papier herstellen (von Schlüsselanhängern, über Schmuck und Schalen bis zu Lampen und Regalen).

Es sind somit Arbeitsplätze nach griechischen Arbeitsrecht enstanden und die upcycling-Produkte werden verkauft, um das Einkommen für die Teilnehmer und weitere Möglichkeiten für die Entwicklung dieses neuen sozialen Geschäftsmodells zu gewährleisten.

Zusätzlich bieten wir im und ausser Haus Workshops an, bei denen unsere Mitarbeiter die Techniken des Upcycling an Interessierte weitergeben. 

Durch das ShediArt Upcycling Project erhalten Menschen – die extreme soziale Ausgrenzung erleb(t)en – nicht nur Zugang zu Bildung und Beschäftigung, sondern erarbeiten sich mit der Zeit auch eine wichtige gesellschaftliche Rolle und Vorbildfunktion.

Christian Fabrion

Ich bin aus Frankreich und habe dort gelebt bis ich 21 war. Mein Vater war Pianist, geboren in Montmartre und meine Mutter war Köchin. Meine künstlerischen Einflüsse kommen direkt von meinem Vater und obwohl ich ein Cacofonix bin, habe ich gut trainierte Ohren was Musik angeht. Ich kam 1979 aus sehr persönlichen Beweggründen mit dem Flugzeug nach Griechenland. Es waren sehr schwierige Jahre, die nun vergangen aber nicht vergessen sind….

Vanessa Daoula

Ich bin 1966 in Kypseli geboren. Meine Kindheit was sehr hart. Als ich erst 5 Jahre alt war, habensich meine Eltern im Streit geschieden. Mein Vater hat den Unterhalt nicht gezahlt, um sich anmeiner Mutter zu rächen. Ich war zu einer sehr guten privaten deutschsprachigen Schule gegangen,war dann aber gezwungen, damit aufzuhören. Nach dem Abitur bin ich auf eine private Hochschulefür Konservierung von Kunstwerken gegangen. Ich hatte ein handwerkliches Geschick, das ich vonmeiner Großmutter geerbt habe. Bevor ich 20 war undmich vorbereitet hatte, mit demStudium Restaurierung und Konservierung von Kunstwerken in Italien weiterzumachen, ist meineMutter plötzlich durch einen Schlaganfall gestorben. Der Schock war wirklich groß für mich. Meinganzes Leben hat sich verändert. Zum Schluss habe ich mich mit Heiligenbildmalerei beschäftigt,Ausstellungen organisiert und viele Hochschulen für Heiligenbildmalereibesucht. Das war bis vor 10 Jahren, als sich wegen der Krise dieser Kreis für mich geschlossenhat. So habe ich mich woanders hin gewendet: Kinderbuchillustration und professionellesMarionettentheater. Ich war aber enttäuscht, weil ich gearbeitet habe ohne bezahlt zu werden und ich ausgebeutetwurde. Vor 2 Jahren wurde ich arbeitslos. Da bin ich völlig zusammengebrochen. 

Ich habe gleichzeitig Angst, Besorgnis und Verbitterung empfunden. Erst als ich zu Shedia” gegangen bin, habe ich angefangen, mich zu erholen.

Giannis Floros

Ich war ein Mann, der ein gutes, normales Leben geführt hat, geboren in Panetolio, Agrinion. Ich war noch ein Baby als ich nach Athen kam. Ich habe drei Schwestern und bin das älteste Kind der Familie. Mein Vater war ein Schuster, er hat sehr hart und unaufhörlich gearbeitet. In Pagrati war er berühmt. Wenn Leute meine Schwestern und mich getroffen haben, dann haben sie gesagt, „das sind des Schusters Kinder“. Wie auch immer, manchmal muss man für seine politischen Ideologien zahlen…

Manolis Papayannakis

Ich wurde 1960 in Byronas geboren und bin mit meiner Großmutter väterlicherseits und meiner Stiefmutter aufgewachsen. Meine Mutter musste als ich 1 Jahr alt war nach Deutschland gehen um dort zu arbeiten. Sie brachte mit Ostern und Weihnachten Geschenke, öffnete sie und ging dann wieder. Das erste Mal das wir wirklich miteinander sprachen war ich 17 Jahre alt. Sie gestand, dass sie einen großen Fehler gemacht hat nicht mit mir zu kommunizieren. Ich habe nie herausgefunden warum meine Eltern sich getrennt haben…

Nikos Orfanos

Ich wurde 1959 in Athen geboren. Im letzten Schuljahr hatte ich plötzlich Flüssigkeit in meiner Lunge und habe 57 Tage im Krankenhaus verbracht, wodurch ich nicht am Examen teilnehmen konnte. Später bekam ich einen Job als Schiffbauer in einer Werft. Nach ca. 10 Jahren wurde wieder Flüssigkeit in meiner Lunge gefunden. Also wechselte ich zur Abteilung der Unfallverhütung auf der Werft. Dort habe ich bis 2011 gearbeitet. In den letzten 2 Jahren unbezahlt und ohne Sozialversicherung. Ich bin dann gegangen, da ich es mir nicht leisten konnte unbezahlt zu arbeiten und habe 2 Jahre als Werkstatt-Reiniger gearbeitet, ausserdem habe ich an künstlerischen Workshops teilgenommen und dort hauptsächlich kleine Dinge wie Schmuck hergestellt. Mir fehlen noch 500 Punkte um in 4 Jahren in Rente zu gehen.